Ein einklagbares Recht auf Ausbildung … so fordert es der DGB. Geflügeltes Wort, aber mir stellt sich dabei die Frage WEM gegenüber sollen Jugendliche ihr Recht einklagen? Einem potentiellen Arbeitgeber gegenüber? “Ey Alder, ich habe zwar schlechte Noten, hatte 157 unentschuldigte Fehlstunden, meine Bewerbung hatte Kaffeeflecken, Eselohren und 17 Rechtschreibfehler, im Gespräch hatte ich eine Baseballkappe auf und die zerrissene Jeans hing mir in den Knien, aber ich verklage dich, dass du mich verdammt nochmal eine Ausbildung in deiner verf… Bank machen lässt!”. Versuche mir nur das gerade mal bildlich vorzustellen. Bei aller Fantasie ist die Ursache der Diskussion ja wirklich ernst und kritisch, die Frage ist nur WER hier in die Verantwortung genommen werden soll? Sicher sollten Unternehmen überprüfen inwieweit sie bereit sind, sich dieser sozialverantwortlichen Aufgabe zu stellen. Aber wir sind “Wirtschafts”unternehmen, wir erfüllen unsere Aufgabe am besten, wenn wir Kapital (Humankapital und Finanzmittel) effizient und produktiv einsetzen. Auf Dauer können wir nur bestehen, wenn wir das besser tun als andere. Und ein Bestandteil unserer demokratischen und liberalen Konzepts ist nun einmal, dass wir uns aussuchen dürfen, wie, mit wem oder mit welchen Mittel wir glauben, dieses Ziel im gesteckten Rahmen erreichen zu können.
Wenn potentielle Azubis die Anforderungen nicht erfüllen, wieso sollte es dann einen Grund geben sie einzustellen? Sicherlich gibt es zahlreiche potentiell tolle Azubis, die einfach das Glück noch nicht hatten oder ihre Strategie (vielleicht gerade ihre räumliche Mobilität) einfach nochmal überdenken sollten. Vielleicht auch den einen oder anderen Schönheitsfehler bei der Bewerbung oder im Gespräch. Aber Leute die sich diesbezüglich immer hinterfragen und wirklich wollen (übrigens eine tolle Voraussetzung, damit uns Unternehmen der effiziente Kapitaleinsatz gelingt) kriegen eine Ausbildung. Ohne Wenn und Aber. D.h. für mich, dass alle, die keine Ausbildung bekommen, eine der o.g. Voraussetzungen nicht erfüllen. Das mag in Ausnahmen mal an der räumlichen Flexibilität scheitern, in anderen Fällen behaupte fehlt es grundlegend an allen Ecken und Enden. Das fängt beim Interesse und dem Wollen an, geht über schulische Leistungen und Vorbildung bis hin zu nicht sozial verträglichem Verhalten im Sinne von guten und angemessenen Benehmen. Und das ist ein Thema das alle gesellschaftlichen Instanzen angeht! Eltern, Schule, Unternehmen, die Politik … und auch die DGB. Eine Institution wie der DGB sollte es sich zur Aufgabe machen an diesen Stellen zu zeigen wie es gehen kann. Förderung der Jugendlichen in genau diesen Bereichen, gezielte Vorbereitung, ein Ausbildungs-Trainingslager. Ich wette sogar, dass es zahlreiche Unternehmen gibt, die eine solche Initiative gerne und sofort unterstützen würden. Als Unternehmer lasse ich mich gerne in die Pflicht nehmen, Jugendlichen im Rahmen eines Praktikums oder einer Schnupper-Woche mal einen Einblick zu geben, um auch mal zu sehen wie sie “ticken” und ob da nicht vielleicht doch ein roher Diamant unter der aufschneiderischen vorlauten Fassade steckt, die selbst mir als Prototyp der Generation Golf manchmal wie von einem anderen Stern erscheint. Vor allem (und den Schuh muss sich die Wirtschaft dann tatsächlich anziehen) darf sich die Bedeutung einer “Ausbildung” nicht auf die der fachlichen Qualifikation der Jugendlichen beschränken. Die Rolle des Ausbilders sollte vielmehr die eines Mentors sein, einer Person, die bereit ist auch mal über den Tellerrand des Ausbildungsplans zu schauen, um den Jugendlichen in seinem – vielleicht defizitären – Sozialverhalten zu fördern. In diesem frühen Alter von der Generation abgeschoben zu reden ist nicht OK, damit bestärkt man die Betroffenen nur sich diesem Schicksal zu “ergeben” und bestärkt sie in ihrem fehlenden Selbstwertgefühl.
Ich denke nicht, dass wir ein Grundrecht auf Ausbildung brauchen! Jede involvierte Partei – angefangen bei Eltern, den ausbildungswilligen Schülern, den Unternehmen, den Schulen, der Politik und AUCH die Gewerkschaften – sollte sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Schon im Kindesalter lernen wir, dass gerade die Kinder, die andere verpetzen und mit dem Finger auf andere zeigen die unbeliebtesten sind, gerade bei denen die verpetzt wurden. Entsprechend sollte auch jeder mal in seiner Sandgrube buddeln, um mal zu schauen, welche Schätze er dort findet. Jeder von uns ist Deutschland!:)